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Bayerischer Bezirketag: Rumänen besuchen Bezirke – „Hier wird etwas bewegt”

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Was ist Eingliederungshilfe? Wie wird sie organisiert? Und wer zahlt was? Eine Delegation der rumänischen Regierung informierte sich Ende März in Oberbayern über den rechtlichen und finanziellen Rahmen der Hilfen für Menschen mit Behinderungen. Für Aufklärung sorgten unter anderem Margarete Zieglmaier und Marga Tobolar-Karg vom Bezirk Oberbayern mit der zentralen Botschaft: „Eingliederungshilfe dient der Inklusion.”

„Die Tatsache, dass wir nach Bayern gekommen sind, spricht für sich”, sagte Daniela Juravlea. „Hier ist das Wissen da. Hier wird etwas bewegt.”

Die Rumänin leitet die Abteilung Behindertenhilfe im Arbeitsministerium in Bukarest. Ende März begleitete sie eine Delegationsreise ihres Heimatlandes durch Oberbayern. Auf den Reiseplan standen Besuche und Gespräche in mehreren Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen – unter anderem der Jacob-Friedrich-Bussereau-Stiftung in Altötting und der Stiftung Attl. Der Bezirk Oberbayern informierte über Fachliches, Recht und Finanzen.

Anlass der Info-Tour war die geplante Neuausrichtung der rumänischen Behindertenhilfe ein Vierteljahrhundert nach Ende der Ceausescu-Diktatur. 2011 hatte das Land die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Nun entwickelt das Arbeitsministerium, das für die Belange von Menschen mit Behinderungen zuständig ist, eine Strategie für einen nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-BRK.

Bisher sind alle Einrichtungen der Behindertenhilfe im Land staatlich geführt; private Träger gibt es abgesehen von wenigen westlich finanzierten Ausnahmen nicht und das System der freien Wohlfahrtsverbände als Partner des Staates ist sogar weitgehend unbekannt. Auch auf fachlicher Ebene hat Rumänien noch Nachholbedarf: Es gibt keine Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, keine Förderstätten, keine Tagesstruktur, keine Heimaufsicht und kaum Ausbildungsstandards für die Mitarbeiter der Einrichtungen.

„Die meisten Rumänen sind überzeugt davon, dass der Staat nur Gegner und nicht Partner sein kann; das erschwert Vieles”, erzählt Uwe Fabritius, Regierungsrat im bayerischen Sozialministerium.

Der gebürtige Deutschrumäne gilt als Motor und Herz der weißblauen Rumänienhilfe. Seit vielen Jahren fördert die von der früheren bayerischen Sozialministerin Barbara Stamm ins Leben gerufene Hilfe unter anderem das Behindertenheim Pastraveni im Nordosten des Landes. Es sorgte einst als „Todesheim” für verlassene Kinder weltweit für Schlagzeilen. Heute hat sich das Haus dank der bayerischen Unterstützung zu einem Vorzeigeprojekt der rumänischen Behindertenhilfe gemausert.

Bei ihrer Reise durch Oberbayern konnte sich die Delegation jedenfalls überzeugen, dass hohe Standards hierzulande nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind.

„Sie bewegen so viel für Menschen mit Behinderungen”, bemerkte Marilena Panduru, die im Arbeitsministerium am nationalen Aktionsplan mitarbeitet, anerkennend. „Mir ist jetzt klar, wir müssen zuerst die Barrieren im Denken der Menschen bei uns zuhause überwinden. Sonst klappt das nicht mit der inklusiven Gemeinschaft.”

Bayerischer Bezirketag, Pressemitteilung v. 22.04.2014 (Constanze Mauermayer)